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Am 13.03.25 referierte Frau Dr. Christine Margraf in Dillingen zum Thema: „Hochwasserschutz durch Schwammlandschaft“

Frau Dr. Margraf ist seit vielen Jahren eine herausragende Expertin im Hochwasserschutz für Bayern. Leicht verständlich erklärte Sie den Interessierten, dieses komplexe Thema und zeigte Lösungsansätze auf.

21.03.2025

Die Referentin erinnert sich noch gut an die Vorträge nach dem großen Pfingsthochwasser 1999, die sie im Dillinger Raum gehalten hat. „Nach meiner Erfahrung kommt es aber schon nach ein paar Jahren zu einer Hochwasserdemenz“, so Margraf „plötzlich und unerwartet trifft dann das nächste Hochwasser ein.“ So im Juni letzten Jahres, ein Extremwetterereignis, das in Schwaben südlich der Donau abgegangen ist, war ursächlich für die katastrophalen Überschwemmungen in unserer Region. Eine sogenannte klassische „5b“ Wetterlage, war lt. deutschem Wetterdienst dafür verantwortlich. Solche Ereignisse treten in den letzten Jahren immer häufiger auf. Vorangegangen waren trockene Sommer mit Dürreperioden, deren Folge sinkende Grundwasserstände waren. Sogar im letzten Jahr, das wieder nässer war, wurden teils noch Niedrigstände beim Grundwasser gemessen. Es ist ein Wechsel von zu viel und zu wenig Wasser und fast jährlichen Extremereignissen zu beobachten.

Wie gehen wir mit dem Wasser um?

Oft wird kontraproduktiv reagiert: 

Durch Entwässerung/Drainagen, Verrohrung und Begradigung von Bächen und Gräben versuchen wir das Wasser so schnell wie möglich abfließen zu lassen. 

Dies wird begünstigt von zunehmender Bodenverdichtung und Flächenversiegelung, der Boden kann das Wasser nicht mehr aufnehmen.

In Bezug auf Hochwasser vergessen wir: Jeder von uns ist irgendwo der Unterlieger und somit der Leidtragende.

Wir brauchen einen anderen Umgang mit dem Wasser

Die Wiederherstellung eines intakten natürlichen Landschaftswasserhaushaltes wäre ein Lösungsansatz.

Schwammlandschaften – wirtschaften mit dem Wasser, nicht gegen das Wasser,

Auen am Fluss erhalten oder renaturieren, Deiche rückverlegen, Verbesserung der Versickerungsfähigkeit der Böden, errichten von dezentralen kleinen Regen- und Rückhaltebecken. Die Wirkung dieser Maßnahmen soll den Niederschlag dort puffern wo er fällt.

„Der große Gewinn dabei“, erklärt die Wasserexpertin, „das Wasser kommt langsamer, wir reduzieren die Scheitelhöhe und wir speichern das Wasser für Trockenzeiten.“

Was man tun könnte ist bekannt und ist auch in der Politik angekommen.

„In einer wasserspeichernden Landwirtschaft liegt größtes Potential“, so die Referentin, „durch Humusaufbau, hohe Regenwurmdichte, Schwere der Maschinen überdenken, ökologische Landwirtschaft, Brach- und Blühflächen anlegen, Umwandlung von Äckern in Grünland wäre viel zu bewirken. Alles was den Boden bedeckt reduziert den Wasserabfluss und es wird weniger fruchtbarer Ackerboden abgetragen.“

Aber auch im Siedlungsbereich gilt, je weniger Versiegelung umso besser. Versickerungsfähige Pflaster, Dachbegrünung und Stadtbegrünung durch Baumpflanzungen sind nicht nur für gut für den Hochwasserschutz, sondern helfen auch bei großer Hitze.

Weitere Ansatzpunkte sind die Pflanzung von Hecken, anlegen von Feuchtflächen und Geländemulden und, und, und. Aber jede einzelne Maßnahme alleine bringt nicht viel. Nur in der Summe erfolgt die Wirkung. Das heißt wenn alle mitmachen, haben die Maßnahmen unheimlich hohe Synergien. Es gibt gute Förderprogramme für Kommunen und die Landwirtschaft. Alle sind gefordert ihren Beitrag zu leisten, man muss herausfinden was passt bei uns. „Der Landkreis Dillingen ist eine von Mooren gesegnete Region“, so Margraf „ein intaktes Moor ist wie ein Schwamm, ein entwässertes Moor nimmt kein Wasser auf, deshalb ist die Vernässungen eine ganz zentrale Maßnahme für den Wasserrückhalt. Die Umsetzung ist jedoch eine Jahrzehnteaufgabe“.